... Morgennebel über taunassen Wiesen. Schnaubende Pferde werden zur Startlinie geführt.
Spannung liegt in der Luft. Plötzlich brechen die ersten Strahlen der Morgensonne durch den Nebel. Da ertönt der Ruf- "Start frei!".
Die Pferde setzen sich in Bewegung. Die Anspannung löst sich, jetzt zählt nur das Team von Pferd und Reiter. Niemand weiß, was hinter der nächsten Biegung auf ihn wartet ...
Diese und ähnliche Momente spielen sich auf allen Veranstaltungen des VDD (Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer) ab und machen wohl die Faszination dieses Sports aus. Sie können es selbst erleben.
Distanzsport
Im Distanzsport kann der Reiter eine wohl einmalige Verbindung von Reitsport und Natur finden. Distanzritte findet man überall in Deutschland, von der Nordseeküste bis zum Alpenrand, vom Rheinland bis nach Brandenburg.
Entsprechend abwechslungsreich sind die Landschaften, Erlebnisse und Eindrücke. Bei gut markierten Wegen, bester tierärztlicher Überwachung und optimaler Versorgung von Ross und Reiter, kann man die Seele baumeln lassen. Die Veranstalter sind nicht nur bemüht den Distanzreitern die Schönheit ihrer Heimat zu zeigen, auch dem Geläuf wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Technisch anspruchsvolle Kletterwege sind genauso zu finden wie herrliche, kilometerlange Galopp- und Trabstrecken.
Einige Veranstalter haben sich auf Ritte spezialisiert, die sich durch außergewöhnlich gute Bodenbedingungen für Barfußpferde auszeichnen. Hier findet man einige der schönsten Mehrtagesritte Deutschlands, bei denen auch die Kunst des Kartenlesens nicht zu kurz kommt.
Ein Sport mit Tradition und Zukunft
1969 veranstaltete der Erfinder der "Equitana", Wolf Kröber, den ersten Distanzritt nach dem Krieg in Deutschland. Unter dem Motto "Reiten ist Wille ins Weite" fand dieser 50 km Ritt in Ankum statt. Erst 1973 wurden das erste Mal 100 km geritten, gefolgt 1974 vom ersten 100 Meiler in Deutschland von Hamburg nach Hannover. Schon bald starteten die ersten Gespanne auf den gleichen Strecken. Der Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer e.V. (VDD) wurde 1976 gegründet.
Heute finden ab März fast überall in Deutschland an jedem Wochenende Distanzwettbewerbe statt. Die Auswahl reicht vom 25 km Einführungsritt über Mehrtagesveranstaltungen bis zum oben genannten 100 Meiler. Auch bezüglich des Ambientes ist die Auswahl groß: Reitställe, Gestüte, Schlosshotels und auch Zeltlager auf der grünen Wiese werden u.a. als Quartier angeboten. Distanzsport bietet jedem Pferdefreund die Möglichkeit, Leistungssport im Einklang mit der Natur zu betreiben.
Selbstverständlich existiert diese Sportart auch in anderen Ländern, aber andere Länder heißt nicht gleich andere Sitten. Internationale Distanzveranstaltungen werden nach einem einheitlichen Reglement durchgeführt, seit Jahren nehmen Mitglieder des VDD erfolgreich daran teil. Der Spitzensportbereich Distanzreiten wird vom DOKR fachmännisch betreut und das mit Erfolg: 2001 gelang es dem Deutschen Team, die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften im Distanzreiten zu erringen. 2001 war auch das Jahr einer jungen Dame aus Süddeutschland und ihres Vollbtutarabers: Sabrina Arnold mit "Te Quiero". Ihre Highlights sind der Titel Deutsche Meisterin 2001 und Bronzemedaillengewinnerin bei der Europameisterschaft für Junioren und junge Reiter. Hinzu kommen weitere Erfolge bei internationalen Distanzritten, die ihr den höchsten Punktestand in der internationalen Statistik sicherten, somit kommt das weltbeste Distanzpferd 2001 aus Deutschland.
Dieser Erfolg kommt uns allen zugute, denn das Interesse an diesem Sport wächst, auch seitens der Industrie. Diese stellt sich den speziellen Anforderungen der Langstreckenpferde und Reiter z.B. durch die Entwicklung spezieller Futtermischungen und entsprechender Ausrüstungsgegenstände für Pferd und Reiter. Das gleiche gilt für den Hufbeschlag. Und nicht zuletzt werden auch die Pferde nach Leistung gezüchtet. Insbesondere die Züchter arabischer Pferde nehmen die Möglichkeit wahr, die Hengstleistungsprüfung über Distanzritte zu machen.
Das Distanzpferd
Für Distanzritte sind alte Pferde, mit oder ohne Abstammungsnachweis zugelassen, sofern sie gesund sind und das Mindestalter erreicht haben. Auch wenn als Idealgröße ein Stockmaß von 155 cm gilt, tummeln sich in der deutschen Distanzszene Pferde aller Rassen und Größen.
Distanzfahren
Mit Kutsche oder Sulky auf die lange Strecke. Noch ist die Gruppe der Distanzfahrer relativ klein, aber sie wächst unaufhörlich. Egal ob Einspänner, Zweispänner oder Vierspänner alte sind vertreten. Wie beim Distanzreiten auch, ist die Wahl der Ausrüstung (bis auf kleine Einschränkungen) freigestellt. Hauptsache zweckmäßig und pferdegerecht.
Schon mancher Distanzreiter ist zum Fahrsport gewechselt, und schon mancher klassische Fahrsportler hat den Weg in den Distanzsport gefunden. Im Gegensatz zum Turniersport kann hier auch mit kleinen Ponies gestartet werden. Der Aktive hat die freie Wahl zwischen dem puren Fahrgenuss in herrlicher Landschaft auf verschiedenen Streckenlängen und dem Hochleistungssport. Denn natürlich gibt es auch eine VDD-Deutsche Meisterschaft im Distanzfahren, bei der die Besten ermittelt werden.
Bei keiner anderen Reitsportart wird dem Schutz des Partners Pferd soviel Aufmerksamkeit geschenkt wie im Distanzsport. Kein Start ohne tierärztliche Voruntersuchung und Tierarztchecks während des Rennens. Alles erhält einen Abschluss mit einer umfassenden Begutachtung durch den Tierarzt. Die Bewertungen der Tierärzte haben Konsequenzen: Lahmheiten, Sattel- und Gurtdruck, sowie die ersten Anzeichen von Überlastung fuhren zum sofortigen Ausschluss vom Rennen. Der Tierarzt ist Richter und Partner für die Teilnehmer. Seine Einschätzungen sind wichtige Hilfsmittel für eine erfolgreiche Rittgestaltung, denn auch der Reiter möchte mit einem gesunden Pferd ins Ziel kommen.
Distanzsport und Tierschutz
Mehr als 20 Jahre organisiert der Verein der deutschen Distanzreiter und -fahrer e.V. alle wichtigen Aktivitäten im deutschen Distanzsport. Durch ihn entstanden die notwendigen Regelwerke. Er unterstützt finanziell und organisatorisch die rund 120 Reit- und Fahrveranstaltungen pro Jahr und fördert eine Fülle von Fortbildungsmaßnahmen in den Bereichen:
- Ausbildungen
- Tierschutz
- Hochleistungssport
Der VDD ist Anschlussverband der FN und arbeitet mit der FN und den Landesverbänden zusammen, um den Sport zu fördern. Durch die Vereinszeitung "Distanz aktuell" des VDD werden die Mitglieder umfassend über alle nationalen und internationalen Belange informiert und erhalten sämtliche Veranstaltungstermine.
Und wie geht's weiter ?
Wenn Sie erfahren möchten, welche Veranstaltung zu Ihnen passt um Distanzluft zu schnuppern, oder wenn Sie aktiv in den Distanzsport einsteigen wollen, erhalten Sie weitere Informationen von der zentralen Geschäftsstelle in Hattingen/Ruhr.
Ein Netz von Beauftragten in ganz Deutschland kümmert sich intensiv um die Belange des Sports.
Sie finden uns auch im Internet unter: www.vdd-aktuell.de